Über ein kleines Filtergerät gegen einen Widerstand einzuatmen, kann helfen, den Blutdruck zu senken. In einer Studie genügten bereits fünf Minuten Widerstandsatmung täglich, um den Blutdruck effektiv und nachhaltig zu senken.

[jg] Hierzulande leiden etwa 20 bis 30 Millionen Menschen unter Bluthochdruck. Neben Medikamenten können vor allem Lebensstilanpassungen den Blutdruck senken helfen, allen voran regelmäßiger Sport. Doch nur wenige Hypertonie-Betroffene schaffen es, die empfohlenen Richtwerte der WHO von 150 Minuten Sport pro Woche dauerhaft einzuhalten.

Eine mögliche Alternative zur Blutdrucksenkung könnte ein spezielles Atemtraining sein. In einer US-amerikanischen Studie konnte der Blutdruck damit genauso gut wie mit Sport verringert werden. Durch fünf Minuten Atemtraining pro Tag sank der Blutdruck der Studienteilnehmer in sechs Wochen um durchschnittlich 9 mmHG und blieb auch nach Ende des Trainings noch wochenlang gesenkt.

Inspiratorisches Muskeltraining hat weitreichende Effekte auf den Körper

Die Idee für diese Studie kam den Forschern aufgrund des Atemtrainings, das vor allem für Patienten mit chronischen Lungenleiden oder zur Rehabilitation nach schweren Atemwegserkrankungen eingesetzt wird. Beim sogenannten inspiratorischen Muskeltraining (IMST) atmen die Betroffenen über ein kleines Filtergerät gegen einen Widerstand ein. Diese Widerstandatmung stärkt Atemmuskulatur und Zwerchfell, hat jedoch auch einen Einfluss auf Lungen, Herz sowie autonomes Nervensystem und darüber weitreichende Effekte auf unseren Körper.

Aufgrund dieser weitreichenden Effekte wollten die Forscher wissen, ob IMST auch den Blutdruck beeinflussen kann. An der Studie nahmen 36 Probanden mit Bluthochdruck im Alter von 50 bis 79 Jahren teil. Die Probanden wurden randomisiert auf eine Atemtrainings- und eine Kontrollgruppe verteilt. Beide Gruppen erhielten ein IMST-Atemgerät, mit dem sie sechs Wochen lang täglich fünf Minuten zuhause trainieren sollten.

65 bis 75 Prozent Einatemwiderstand

In der Atemtrainingsgruppe war der Widerstand des etwa handgroßen Geräts beim Einatmen so hoch eingestellt, dass zwischen 65 und 75 Prozent der maximalen Sogkraft nötig waren, um genügend Luft zu bekommen. In der Kontrollgruppe waren hingegen nur 15 Prozent Einatemwiderstand als Placebo eingestellt. Zu Studienbeginn und -ende wurde bei allen probanden der Blutdruck gemessen. Zudem wurden mittels verschiedener Tests die Elastizität und Weitungsfähigkeit der Blutgefäße sowie Biomarker für Entzündungen und oxidativen Stress gemessen.

Blutdruck sank, Elastizität der Gefäße stieg

Während sich in der Kontrollgruppe nichts veränderte, sank in der Atemtrainingsgruppe der systolische Blutdruck von durchschnittlich 135 mmHg auf 126 mmHg. Diese Senkung übertreffe laut den Forschern teilweise sogar die durch aeroben Sport und andere Lebensstil-Strategien erreichbaren Effekte. Zudem verbesserte sich in der Atemtrainingsgruppe die Dehnungsfähigkeit der Arterien um 45 Prozent und die Konzentration von Stickstoffmonoxid in den Gefäßwänden erhöhte sich. Auch Biomarker für Entzündungen und oxidativen Stress gingen in dieser Gruppe innerhalb der sechswöchigen Studiendauer zurück.

Blutdrucksenkender Effekt blieb erhalten

Der blutdrucksenkende Effekt des Atemtrainings scheint sogar nachhaltig zu sein, wie die Nachbeobachtung zeigt: Sechs Wochen nach Ende des Trainings war der Blutdruck der Studienteilnehmer immer noch auf dem erreichten niedrigeren Wert.

Der Mechanismus, der hinter der blutdrucksenkenden Wirkung steckt, ist noch unklar. Die Forscher vermuten, dass der erhöhte Atemwiderstand die Blutgefäße dazu bringt, vermehrt Stickstoffmonoxid zu bilden. Dieses erhöhe die Dehnbarkeit der Adern und könne so den Blutdruck senken.

Folgestudien bereits geplant

Eine Folgestudie, die mehr über die Wirkmechanismen herausfinden soll, ist bereits geplant. Die Folgestudie wird zudem den Effekt des IMST-Trainings direkt mit dem Effekt täglicher Sporteinheiten vergleichen. Der Vorteil des IMST-Trainings gegenüber Sport ist indes schon klar: Es ist weniger zeitintensiv, kann zuhause durchgeführt werden und lässt sich deutlich besser in den Alltag integrieren, was die Campliance verbessert und die Durchhaltequote erhöht.

Quelle: Scinexx